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Es brauche Menschen, 

die Gemeinsinn anzetteln, 

die Verantwortung übernehmen.

 

Stephan Weil, Ministerpräsident Nds.

04.06.2019

 

 

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Presse / AvüB

Auf dieser Seite der Homepage des Landesseniorenrates Niedersachsen 

veröffentlichen wir Presseartikel und Berichte von überregionaler Bedeutung.

Berichte der regionalen Seniorenbeiräte und Seniorenvertretungen finden 

Sie in der Rubrik „Arbeitsgemeinschaften" (AGs) unter „Berichte aus den Arbeitsgemeinschaften“.


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Der Seniorenbeirat Hildesheim ist dabei: Projekt LUMINA - Aktives Altern in Europa

 

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Hildesheim tauscht Erfahrungen mit sieben europäischen Städten aus. Europäisches Städtenetzwerk tauscht sich in Pavia über Angebote für ältere Menschen aus – Gemeinsames Memorandum of Understanding unterzeichnet.

 

Wie können ältere Menschen möglichst lange gesund, aktiv, selbstbestimmt und in Gemeinschaft leben? Mit dieser Frage beschäftigten sich vom 19. bis 22. Oktober 2026 die Vertreterinnen und Vertreter des europäischen Städtenetzwerkes EC2EU im italienischen Pavia. Pavia hatte dazu über das EU-Programm CERV für das so genannte „LUMINA-Projekt“ („Linking Urban Municipalities In New Ageing“, auf Deutsch frei übersetzt: „Stadtgemeinden beim Projekt 'Neues Altern' verbinden“). Delegationen aus Pavia (Italien), Coimbra (Portugal), Grand Poitiers (Frankreich), Umeå (Schweden), Iași (Rumänien), Jena (Deutschland), Lwiw (Ukraine) und Hildesheim kamen zusammen, um ihre Erfahrungen auszutauschen, erfolgreiche Ansätze für das aktive Altern kennenzulernen und gemeinsame Empfehlungen für die kommunale Politik zu erarbeiten. Aus Hildesheim waren der Fachbereichsleiter Soziales der Stadt Hildesheim Ulf Möhle, der Vorsitzende des Seniorenbeirats Thomas Meyer-Hermann, der Vorsitzende der Deutsch-Italienischen Gesellschaft und Motor der Partnerstadt Cavaliere Enzo Iacovozzi, als gutes Praxisbeispiel Ramon Büchel vom PIKSL Labor der Diakonie Hildesheim, sowie als Projektkoordinator für internationale Beziehungen der Stadt Oliver Rösner nach Pavia gereist.

 

Erfahrungen aus acht europäischen Städten

 

Zum Auftakt begrüßte Pavias Bürgermeister Michele Lissia die internationalen Delegationen. Bei der anschließenden Vorstellung der beteiligten Städte erhielten die Teilnehmenden einen Einblick in die unterschiedlichen kommunalen Ansätze und Rahmenbedingungen. Schnell wurde deutlich, dass die Förderung des aktiven Alterns eine gemeinsame europäische Aufgabe ist, bei der die Städte voneinander lernen und profitieren können.

Am folgenden Tag standen bewährte Beispiele aus den beteiligten Kommunen im Mittelpunkt. Im Konferenzraum des Castello Visconteo präsentierte jede Delegation ihre Erfahrungen und Projekte zur Unterstützung älterer Menschen. Dabei ging es insbesondere darum, wie soziale Teilhabe ermöglicht, die Gesundheit gefördert und ein aktives Leben im Alter unterstützt werden kann. Für Hildesheim präsentierte Ramon Büchel sehr anschaulich das PIKSL Labor, welches sehr gut bei den anderen Städten ankam.

 

Seniorenzentren als Orte der Begegnung

 

Ein besonderer Programmpunkt war der Besuch von drei der insgesamt neun Seniorenzentren Pavias. Die jeweiligen Vorsitzenden stellten ihre Einrichtungen vor und erläuterten deren Organisation und Arbeitsweise.

Bemerkenswert ist das ehrenamtliche Engagement, auf dem die Arbeit der Zentren beruht: Sie werden als Vereine vollständig ehrenamtlich geführt. Die Stadt stellt die Gebäude und deren Ausstattung zur Verfügung, während die Organisation und die Aktivitäten von den engagierten Mitgliedern getragen werden.

Die Seniorenzentren bieten damit ein Beispiel dafür, wie kommunale Unterstützung und bürgerschaftliches Engagement ineinandergreifen können. Sie schaffen Räume für Begegnung, gemeinsame Aktivitäten und soziale Kontakte und leisten damit einen wichtigen Beitrag, der Einsamkeit im Alter entgegenwirken kann.

 

Wissenschaftliche Impulse aus der Universität Pavia

 

Am dritten Projekttag führte das Programm die Delegationen an die Universität Pavia. Dort beschäftigten sich Professorinnen und Professoren in thematischen Vorträgen mit verschiedenen Aspekten des aktiven Alterns. Im Mittelpunkt standen soziale Interaktion, Bewegung, Ernährung und Frauengesundheit.

Die wissenschaftlichen Beiträge ergänzten die praktischen Erfahrungen der Kommunen um aktuelle fachliche Perspektiven. Sie verdeutlichten, dass aktives Altern nicht allein eine Frage der Freizeitgestaltung ist, sondern verschiedene Lebensbereiche umfasst. Soziale Beziehungen, körperliche Gesundheit, eine ausgewogene Ernährung und die Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Gesundheitsfragen sind wichtige Bausteine für Lebensqualität im Alter.

 

Drei Prioritäten für die kommunale Politik

 

Am Nachmittag wurden die Erkenntnisse der vergangenen Tage in einem Workshop an der Volkshochschule von Pavia „UniTre“ zusammengeführt. Gemeinsam diskutierten die Delegationen, welche Schlussfolgerungen sich aus den vorgestellten Beispielen ziehen lassen und welche Empfehlungen für zukünftige politische Entscheidungen besonders wichtig sind.

 

Dabei kristallisierten sich drei zentrale Prioritäten heraus:

 

    Isolierte Menschen erreichen: An erster Stelle steht die Aufgabe, ältere Menschen zu erreichen, die allein leben, wenig soziale Kontakte haben oder bislang nicht an bestehenden Angeboten teilnehmen. Gerade diejenigen, die Unterstützung besonders benötigen, sollen besser angesprochen und in die Gemeinschaft eingebunden werden.

    Angebote von Seniorenzentren stärken: Seniorenzentren können wichtige Anlaufstellen für Begegnung, Aktivität und soziale Teilhabe sein. Ihre Förderung und Weiterentwicklung soll deshalb eine wesentliche Rolle bei der kommunalen Gestaltung des aktiven Alterns spielen.

    Engagement älterer Menschen fördern: Ältere Menschen sollen nicht nur Angebote nutzen, sondern diese auch aktiv mitgestalten können. Ehrenamtliches Engagement eröffnet Möglichkeiten, eigene Fähigkeiten einzubringen, Sinn zu erfahren, Verantwortung zu übernehmen und das gesellschaftliche Leben vor Ort mitzuprägen.

 

Die Ergebnisse des Workshops machten deutlich, dass erfolgreiche Angebote nicht allein an ihrer Zahl gemessen werden sollten. Entscheidend ist vielmehr, ob sie die Menschen erreichen, die sie benötigen, Begegnungen ermöglichen und älteren Menschen eine aktive Rolle in der Gesellschaft eröffnen.

 

Gemeinsame Vereinbarung für die weitere Zusammenarbeit

 

Den Abschluss des viertägigen Treffens bildeten eine Pressekonferenz und die Unterzeichnung einer gemeinsamen Absichtserklärung „Memorandum of Understanding“ durch die beteiligten Städte. Mit dieser Vereinbarung bekräftigten die acht Kommunen sowie die Universität Pavia, ihren Willen, die Zusammenarbeit im Rahmen dieser Gruppe fortzusetzen.

Das Treffen in Pavia hat gezeigt, wie wertvoll der europäische Austausch über kommunale Erfahrungen und gute Praxisbeispiele sein kann. Trotz unterschiedlicher örtlicher Voraussetzungen stehen die Städte vor ähnlichen Herausforderungen auch aufgrund des demografischen Wandels aller europäischer Gesellschaften. Der Vergleich ihrer Ansätze eröffnet neue Perspektiven und schafft eine Grundlage dafür, erfolgreiche Ideen weiterzuentwickeln und auf die jeweiligen lokalen Gegebenheiten zu übertragen.

Für Hildesheim bietet die Zusammenarbeit die Möglichkeit, Impulse aus anderen europäischen Städten aufzunehmen und zugleich eigene Erfahrungen einzubringen. Das gemeinsame Ziel bleibt, älteren Menschen mehr Teilhabe zu ermöglichen, soziale Isolation zu verringern und Rahmenbedingungen für ein aktives, gesundes und selbstbestimmtes Leben im Alter zu schaffen.

 Mit der Unterzeichnung des Memorandum of Understanding wurde in Pavia ein wichtiger Schritt getan, um diesen Weg gemeinsam weiterzugehen.

 

 Gruppenfoto Delegationen Lumina Pavia 

 

„Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung der Stadt Hildesheim von deren Internetseite übernommen.“

 

 

 


Die Arbeitsgemeinschaft Weser-Ems des Landesseniorenrats Niedersachsen hielt am 25. August 2026 in Nordhorn ihre jährliche Mitgliederversammlung ab. Der Vormittag stand ganz im Zeichen der Frage des assistierten Suizids und des verantwortungsvollen Umgangs mit diesem Thema. Nachfolgend veröffentlichen wir – mit freundlicher Genehmigung des SoVD-Kreisverbands Grafschaft Bentheim – den Veranstaltungsbericht. Die Veröffentlichung in der SoVD-Zeitung erfolgt im Oktober 2026.

 

 

Zwischen Selbstbestimmung und Verantwortung:

Kontroverse Diskussion über assistierten Suizid

 

Experten beleuchten vor rund 140 Gästen medizinische, ethische und gesellschaftliche Fragen zum selbstbestimmten Sterben

 

 

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Veranstalter, Gäster und Teilnehmer der Podiumsdiskussion (v.l.n.r.): Thomas Lehre, Alfred Koelmann, Hermann Thole, Markus Wenzel, Ute Muhs, Paul Meimberg, Katrin Marie Warstat und Martin Splett.

 

Nordhorn. Darf ein Mensch selbstbestimmt aus dem Leben treten – und welche Verantwortung tragen Gesellschaft, Medizin und Politik dabei? Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion zum Thema „Assistierter Tod – zwischen Selbstbestimmung, Ethik und Verantwortung“, zu der der SoVD- Kreisverband Grafschaft Bentheim und der Landesseniorenrat Niedersachsen e. V. nach Nordhorn eingeladen hatten. Vier Expertinnen und Experten 
beleuchteten das sensible Thema aus unterschiedlichen Perspektiven. Rund 140 Interessierte verfolgten die Diskussion, bevor sie sich im Anschluss mit eigenen Fragen und Erfahrungsberichten einbringen konnten. 

 

Paul Meimberg, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Weser-Ems des Landesseniorenrates, und Thomas Lehre, Vorsitzender des SoVD-Kreisverbandes Grafschaft Bentheim, begrüßten die Gäste. Auf dem Podium diskutierten Dr. Martin Splett vom Bistum Osnabrück, Dr. Markus Wenzel von der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben e. V. (DGHS), Katrin Marie Warstat, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Lingen und früher im Bereich Suizidprävention bei der Caritas tätig, sowie die Palliativmedizinerin Dr. Ute Muhs. Moderator war Dr. Hermann Thole, Palliativmediziner und Vorsitzender des Seniorenbeirates der Stadt Nordhorn.

 

Thole stellte zu Beginn die zentrale Frage: „Darf ein Mensch selbstbestimmt aus dem Leben treten?“ Seit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2020 sei das Recht auf selbstbestimmtes Sterben grundsätzlich anerkannt. Gleichzeitig fehle es weiterhin an einer umfassenden gesetzlichen Regelung, die insbesondere auch Ärztinnen und Ärzten Rechtssicherheit gebe. Wichtig sei dabei die Unterscheidung zwischen assistiertem Suizid und der in Deutschland verbotenen aktiven Sterbehilfe.
 

Wenzel verwies darauf, dass es 2025 in Deutschland rund 1.300 assistierte Suizide gegeben habe. Splett äußerte angesichts dieser Entwicklung die Sorge, „dass eine Normalität Einzug hält“. Er warnte insbesondere davor, dass alte oder schwerkranke Menschen das Gefühl entwickeln könnten, anderen zur Last zu fallen. Auch ein solcher subjektiv empfundener Druck müsse berücksichtigt werden, wenn über Selbstbestimmung gesprochen werde. Wenzel betonte dagegen, dass die Möglichkeit eines selbstbestimmten Todes für manche Menschen auch entlastend wirken könne. Viele hätten das leidvolle Sterben naher Angehöriger erlebt und fürchteten ein ähnliches Schicksal. Zugleich bestand zwischen beiden Einigkeit darin, zunächst alle Möglichkeiten auszuschöpfen, Menschen am Lebensende zu begleiten und Leiden zu lindern. Splett verwies dabei auf soziale Begleitung, das Ernstnehmen von Ängsten und Sorgen sowie eine umfassende Palliativversorgung. 

 

Muhs berichtete aus ihrer ärztlichen Praxis von schwerkranken Menschen, die sie konkret um Hilfe beim Sterben gebeten hätten. Sie habe deren Entscheidung angesichts von Erkrankung, Schmerzen und Lebenssituation in einzelnen Fällen nachvollziehen können. Für Ärztinnen und Ärzte sei die Situation aufgrund der rechtlichen Unsicherheiten jedoch schwierig.
 

Warstat betonte die Bedeutung der Suizidprävention und möglicher Alternativen. Auch wenn Entscheidungen in schweren Einzelfällen nachvollziehbar sein könnten, dürfe Suizid nicht zur Normalität werden. „Ist Suizid immer der einzige Weg oder gibt es auch andere Möglichkeiten, ein würdevolles Sterben zu ermöglichen?“, fragte sie und verwies unter anderem auf Hospizarbeit und Palliativversorgung. 


Diskutiert wurde zudem, wie sich feststellen lässt, ob ein Sterbewunsch tatsächlich selbstbestimmt ist. Wenzel erläuterte, dass bei der DGHS ärztliche und juristische Fachleute unabhängig voneinander mit Betroffenen sprächen und deren Wunsch prüften. Eine Begleitung könne auch abgelehnt werden.

 

Muhs verwies auf besondere Schwierigkeiten bei kognitiven Einschränkungen wie einer Demenzerkrankung. Splett forderte klare Schutzmechanismen und rechtliche Absicherungen. Warstat riet dazu, sich frühzeitig mit den eigenen Vorstellungen vom Lebensende auseinanderzusetzen.  Einig waren sich die Podiumsteilnehmenden darin, dass die Möglichkeiten der Palliativmedizin stärker bekannt gemacht und ausgeschöpft werden müssten. Sie könne Leiden am Lebensende erheblich lindern, habe aber auch Grenzen.

 

Wie persönlich das Thema viele Menschen bewegt, zeigte die anschließende Diskussion. Mehrere Gäste berichteten teils sehr emotional vom Sterben naher Angehöriger. Eine Teilnehmerin schilderte unter Tränen das Leiden ihres verstorbenen Bruders und fragte, warum es so schwierig sei, schwerstes Leiden zu beenden, wenn entsprechende Möglichkeiten vorhanden seien.
Die Diskussion zeigte, dass es beim assistierten Suizid keine einfachen Antworten gibt. Selbstbestimmung und der Schutz vulnerabler Menschen, medizinische Möglichkeiten und ihre Grenzen sowie ethische Überzeugungen müssen gegeneinander abgewogen werden. Die große Resonanz mit rund 140 Teilnehmenden verdeutlichte zugleich, wie groß der gesellschaftliche
Gesprächsbedarf ist.

 

 

 

 


 LSR 1 

 

Auf dem Foto von vorn links beginnend, in Kreis linksum: Günter Lendzian stellv. Vorsitzender, Paul Meimberg AG Weser-Ems, Horst Grund Gast, Dietmar Scholtz u. Rainer Knop AG Braunschweig, Volker Perschmann AG Weser-Ems, Hans-Joachim Dodenhof AG Lüneburg, Silke Volz-Auerbach AG Hannover, Angelika Bär Schatzmeisterin, Helmut Sündermann stellv. Vorsitzender, Harald Sommerfeld 1. Vorsitzender LSR Nds.  Foto: Hildegard von Thadden, 

 

 Text LSR 1

 

Quelle: Text mit freundlicher Genehmigung der "Schaumburger Nachrichten" vom 13. 06.2026